Die Reise der 1001 Kraniche

Kraniche aus Papier gefaltet

Die Reise der 1001 Kraniche begann am 18. Dezember 2005 – an jenem Tag, an dem mir unverblümt die Diagnose Krebs mitgeteilt wurde. In diesem Moment formte sich aus der Tiefe meines Seins ein einziger, klarer Wunsch:
„EINFACH LEBEN.“

Kraniche aus Papier gefaltet
Ohne es damals bewusst zu wissen, wurden die Kraniche zu meinen stillen Begleitern. Sie schenkten mir unendliche Kraft – die Fähigkeit, mein Leben aus der Vogelperspektive zu betrachten, Abstand zu gewinnen von allem, was in den Jahren danach auf mich zukam.

Ich verstand noch nicht, dass jeder einzelne Kranich, den ich faltete, ein Schritt war – ein Schritt hin zu meiner inneren Freiheit.

Erst zwanzig Jahre später offenbarte sich mir die ganze Bedeutung dieser Reise. In dem Moment, als ich den Entschluss fasste, tausendundeinen Kranich zu falten. Inspiriert von der Geschichte von Sadako Sasaki aus Japan – einem Mädchen, das nach einem Atomunfall an Krebs erkrankte und daran glaubte, dass ihr das Falten von tausend Kranichen einen Wunsch erfüllen würde.
Was genau ihr Wunsch war, werden wir wohl nie erfahren, da sie viel zu früh verstarb. Doch eines wurde mir klar:
Die Kraft des eigenen Wortes darf niemals unterschätzt werden.

Zwanzig Jahre lang befand ich mich in einem Zustand des Rückzugs – wie eine Puppe im Kokon. Schicht für Schicht löste sich etwas in mir auf, ich streifte Altes ab, um mich innerlich zu verwandeln. Und eines Tages trat ich daraus hervor – verwandelt.
Das war mein Weg in die innere Freiheit.

Heute, zwanzig Jahre später, verstehe ich, wie Gegenwart und Zukunft ineinanderfließen. Nur der gegenwärtige Moment kann uns offenbaren, was wirklich ist. Selbst der tiefste Abgrund hatte seinen Sinn – denn er zeigte mir den Schatten, den ich brauchte, um mein eigenes Licht zu erkennen.
Und so wurde mir bewusst: „Meine Zeit ist JETZT.“
Kranich aus Japanpapier

Alles ist miteinander verbunden – Schatten und Licht, Himmel und Erde, Vergangenheit und Zukunft. So wie auch die Kraniche: verbunden durch eine unsichtbare Schnur, und doch frei, in jede Richtung zu fliegen.

Äußerlich kann man uns einsperren. Doch unsere innere Freiheit – die kann uns niemand nehmen.  Sie bleibt immer unsere eigene Wahl.

Als Symbol für das Leben haben wir 1001 Kraniche in unserer Ordination aufgehängt – als Zeichen von Hoffnung, Glauben und Verbundenheit für alle Menschen, die diesen Raum betreten.

Und die Reise der 1001 Kraniche geht weiter…
Ich bin voller Neugier, welche Wunder sie noch in die Welt tragen wird.